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    Amma Darko  
    Biographie  
       
       
   

Amma Darko, Jahrgang 1956, ist eine Schriftstellerin zwischen Ghana und Deutschland. Sie kann die Welt aus beiden Perspektiven betrachten.

Gründliche Recherche ist ihr wichtig und sie verbringt viel Zeit mit Interviews und in Archiven. Für den Roman „Die Gesichtslosen“ hat sie sich in ärmlicher Verkleidung unter die Bewohner der Vorstadt „Sodom und Gomorrha“ in Accra gemischt.

Die Ghanaerin wollte Kreatives Schreiben studieren, nur so etwas gab und gibt es nicht in ihrem Land. Sie wurde schließlich Diplom-Industriedesignerin und hat ein Jahr in einem Technologie-Beratungszentrum der Universität Kumasi gearbeitet. Dann zog es sie in die Welt. Ursprünglich geplant war ein Aufenthalt in den USA, doch sie kam schließlich nach Deutschland, wo sie von 1981 bis 1987 lebte und ihren ersten Roman schrieb.

Erst nach ihrer Rückkehr nach Ghana wurde der Roman in deutscher Übersetzung publiziert. Das englische Verlagshaus Heinemann veröffentlichte später die englische Originalfassung.

Amma Darko hat als Steuerinspektorin gearbeitet und ist nun im Ruhestand.

1998/99 hat J.M. Coetzee sie als Stipendiatin der Akademie Schloss Solitude gewählt, für die sie auch einen Beitrag zum „Lexikon der sperrigen Wörter“ (2010) sowie zum "Solitude Atlas" (2015) geschrieben hat.

Im Jahr 2008 hat sie die größte literarische Auszeichnung ihres Landes bekommen, den Ghana Book Award. Häufig ist sie Gast bei Schriftstellerkongressen und Literaturfestivals in aller Welt.

Ihre Bücher sind Gegenstand literaturwissenschaftlicher Analyse und es gibt etliche Bachelor- und Masterarbeiten über verschiedene Aspekte ihres Werks. Der Literaturprofessor Victor C. Odamtten hat ihr ein Buch gewidmet: „Broadening the Horizon“, das Aufsätze verschiedener Autoren über ihr Schreiben beinhaltet.

„Faceless“ ist 2013 auf die Literaturliste des “West Africa Examination Council for Senior Secondary Schools” gekommen und gehört damit zum Schulkanon in ganz Westafrika.

Rezensionen, Interviews und eigene Artikel sind u.a. in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, in der Süddeutsche Zeitung und in der Neuen Zürcher Zeitung erschienen. Dr. Rolf Pflücke hat Frau Darko für den SWF interviewt.

 
       
       
      
   

Amma Darko über ihren Namen und ihre Herkunft:

"Fragen und Erkundungen über mich sowohl innerhalb als auch außerhalb von Ghana sind die Grundlage für diese Abfolge meiner Gedanken und Bemerkungen. Viele wissen, dass DARKO mein Mädchenname ist und wenn sie meinen Ehering am Finger sehen und überall lesen, dass ich verheiratet bin, wollen sie wissen, warum ich meinen Mädchennamen in der Schreibwelt behalten habe. Während dieses Phänomen im Westen nicht ungewöhnlich ist, ist es das bei uns immer noch. Es wird von einer Frau erwartet, dass sie den Namen des Ehemanns bei der Hochzeit annimmt. Der Grund in meinem Fall ist, dass ich unter meinem Mädchennamen als Schriftstellerin bekannt wurde, bevor ich nach dem Gesetz meinen Ehenamen annahm. Und in der Schreibwelt kann ein etablierter Name einen großen Unterschied machen.

Dann gibt es noch die Frage nach meiner Stammeszugehörigkeit.

Ich bin eine Fanti. Die Fanti sind der dominante Stamm in der „Central Region“in Ghana. In der “Central Region” befinden sich die meisten historischen Sklavenburgen und –festungen. Ich erhielt den Namen DARKO von meinem verstorbenen Vater. DARKO ist kein Fanti-Nachname. Mein Vater war kein Fanti. In Ghana ist es leicht zu erkennen, an welchem Tag ein Mensch geboren ist – das sieht man an seinem einheimischem Namen, der gewöhnlich der erste Name ist, den er trägt. Es ist auch leicht zu die Stammeszugehörigkeit mit recht großer Sicherheit zu bestimmen, wenn man den Nachnamen kennt. So hebe ich manchmal meine Augenbrauen, wenn ich Leuten, die mich als DARKO kennen, erkläre, dass ich eine Fanti bin.

In Ghana trägt ein Kind automatisch den Namen des Vaters, sobald der Vater das Kind als das Seinige anerkennt. Das ist eine Tradition. Daraus sollte eigentlich folgen, dass das Kind zum Stamm des Vaters gehöre. In Ghana wird es heikel, wenn ein Kind den Namen des Vaters trägt, aber in mütterlicher Erbfolge steht. Denn in einer solchen Situation, wenn das Kind wie erwartet den Nachnamen des Vaters trägt, aber in mütterlicher Erbfolge steht, dann wird es betrachtet als vom mütterlichen Stamm kommend. Es gibt drei Szenarien: Wenn beide Eltern aus demselben Stamm kommen, ist die Identität des Kindesstammes schlicht und einfach. Die Kinder gehören zum Stamm der Eltern. Das erklärt, warum viele Familien Heiraten innerhalb der Familie vorziehen.

Wenn ein Elternteil aus einem Stammesverband mit mütterlicher Erbfolge kommt und der andere Elternteil aus einem Verband mit väterlicher Erbfolge, kann es zu Komplikationen kommen. Meistens gerät das Kind jedoch in den väterlichen Stamm, wenn die Familie der Mutter zustimmt, was meist der Fall ist. Das dritte Szenario betrifft mich. Meine Eltern kommen aus verschiedenen Stämmen. Mein verstorbener Vater kam von den AKWAPIM und stammte aus einer hügeligen Stadt namens ABURI in der Eastern Region. Meine verstorbene Mutter war eine FANTI, aus SALTPOND in der Central Region. Ich trage den Nachnamen meines Vaters, DARKO, aber ich gehöre zum Stamm meiner Mutter. Viele Leute, die sich mit ghanaischen Nachnamen auskennen, wundern sich, warum ich einen typischen AKWAPIM-Nachnamen habe, aber behaupte, eine FANTI zu sein. Die Erklärung ist, dass viele FANTI-Stämme mütterliche Erbfolge haben, viele AKWAPIM-Stämme dagegen väterliche Erbfolge. Aber was soll das alles mit mütterlicher und väterlicher Erbfolge? Wenn eine Familie die mütterliche Erbfolge hat, beerbt das Kind die Mutter, nicht den Vater. Der Vater wird eher von Nichten und Neffen beerbt. In einer Familie mit väterlicher Erbfolge beerben die Kinder den Vater direkt.

Zufällig ist der Stamm meines Vaters einer der wenigen Akwapim-Stämme mit mütterlicher Erbfolge. So verhält es sich wie in dem ersten Szenario, in dem beide Eltern aus demselben Stamm kommen und so dieselbe Erbfolge hatten. Meine Eltern folgten beide der mütterlichen Erbfolge, obwohl sie aus verschiedenen Stämmen kamen. So kam es automatisch dazu, dass ich den Namen meines Vaters trage und gleichzeitig dem Stamm meiner Mutter angehöre."

Amma Darko, 2006 (Übersetzung: Bouilllon)